Trier-Metz (Jakobsweg)

Die Jakobswanderung in den Osterferien, die in Trier endete, setzten wir jetzt im Herbst 2018 fort. Der Weg führte uns nun an vier Tagen von Trier-Metz über 116 Kilometer.

Trier-Metz

  • Streckenlänge: ca.120 km
  • Wo? : Mosel, Dreiländereck
  • Wie lange?: teils sehr anspruchsvolle 4-tägige Tour
  • mittelschwer – sehr anspruchsvoll
  • Unterkünfte: direkt an der Strecke rar (ausgenommen Perl)

Erster Tag

Um 11:45 Uhr ging es auf unserer Strecke Trier-Metz vom Ausgangspunkt Porta Nigra zunächst zum Trierer Dom, wobei die gute Beschilderung von der vorigen Etappe leider nicht fortgeführt wurde. Oftmals waren keine Wegweiser vorhanden oder diese falsch angebracht (siehe Bild).

Widerspruch von Pfeil und Muschelausrichtung

Am Trierer Dom vorbei wanderten wir durch die Fußgänerzone Richtung Aulsee.

Weiter ging es an der Grabstätte des heiligen Mattheus vorbei bis zur Mosel. Nach 7,2 Kilometer um 13:15 Uhr gegenüber vom Yachthafen Trier legten wir unsere erste Rast ein. Keine 20 Minuten später folgten wir weiter der Mosel bis zur Saarmündung.

Der Weg führte nur kurz an der Saar entlang. Über einen Kreisel entfernten wir uns von der Saar und wanderten über Wasserliesch nach Tawern. Diese Ortschaft beeindruckte uns vor allem durch die besondere Architektur der freistehenden Häuser, welche eine Mischung aus einem alten und modernem Stil kombinierte.

Nach insgesamt 18 Kilometern legten wir hinter Tawern unsere zweite Rast ein. Eine Tempelanlage stach uns dabei besonders ins Auge. Aus einer Informationstafel konnten wir entnehmen, dass dieser römische Tempel bereits im 1. Jh n. Chr. errichtet wurde. Nach ein paar kurzen Fotos und interessanten Informationen wanderten wir weiter in Richtung Fisch.

Bereits vor dem Antritt unserer Wanderung hatte uns unsere erste Gastgeberin davor gewarnt, dass es auf den letzten Kilometern unseres ersten Tagesabschnitts keine Einkaufsmöglichkeiten mehr gibt. Zusätzlich verwies sie uns auf diesen Einkaufsautomaten in Fisch.

Von Spirituosen über Grillgut bis hin zu frischer Milch aus der Gegend konnte man sich für den weiteren Weg stärken.

Nach circa 30 Kilometern erreichten wir gegen 18:50 Uhr das Örtchen Körrig, unser erstes Etappenziel auf unserer Wanderung Trier-Metz.

Wichtig bei Wanderungen in solch einsamen Gegenden ist es unabdinglich, sich schon im Voraus über Verpflegungsmöglichkeiten zu informieren. Oftmals begegnet man nur privaten Betrieben, die meist unscheinbar und daher schwer zu sehen sind.

Zweiter Tag

Frisch ausgeschlafen starteten wir, gestärkt durch ein reichhaltiges Frühstück, in den nächsten Tag. Um 9:05 Uhr wagten wir uns aus dem Haus in den dichten Nebel, der bis außerhalb von Körrig anhielt.

Gegen 10:42 Uhr erreichten wir auf unserer Wanderung dann die Grenze zwischen Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Völlig unscheinbar überquerten wir diese und wunderten uns ein wenig: kein Schild, kein Hinweis, nur wegen unserer Navigation war uns dies klar. 

Zu unserer Ernüchterung waren die Birnen trotz ihrer besten Erntezeit ungenießbar. Später erfuhren wir, dass es sich bei diesem so ungewöhnlich bitteren Obst lediglich um Futter für Tiere handelte.

Keine 40 Minuten später passierten wir eine Gedenkstätte der US Army. Auch hier hinterließ der zweite Weltkrieg seine Spuren. Nun machte sich auch der Hunger bei uns breit, weshalb wir das Tempo etwas anzogen, um über Borg nach Perl zum Dreiländereck zu gelangen (Deutschland-Frankreich-Luxemburg / Perl-Apach-Schengen). Kurz davor nutzen wir jedoch noch die Gelegenheit und füllten unsere Essensvorräte einem Supermarkt auf. Interessanterweise wurden wir in Perl von einer Dame auf unsere Wanderung angesprochen. Sie teilte uns mit, dass unser Tagesziel niemals erreichbar sei und bot uns eine Übernachtung in ihrer Herberge an. Weitere 23 Kilometer zu den 21 schon gewanderten schätzte sie noch unsere zu bewältigende Strecke.

Pfandfund bis an die Grenze: 3.53€

  • Borg erreicht

Ein großer Schritt – Frankreich

 Kaum in Frankreich wurde der Weg schnell anspruchsvoll und wir mussten einen Waldpfad mit Wildbach auf dem Jakobsweg Trier-Metz durchwandern. Holprig kam der Weg daher und wir mussten extremst auf Trittsicherheit achten.

Danach brauchten wir erst einmal gegen 15:50 Uhr eine Pause, die wir nicht optimal an einer Hauptstraße einlegten. Hier endete auch der Waldpfad.

Kurz danach konnten wir einen ersten Blick auf Montenach werfen.

 Der Tag neigte sich zum Ende und wir hatten noch einige Kilometer vor uns, weitaus mehr jedoch in den Beinen. Über langgezogene seichte Hügel kamen wir unserer zweiten Übernachtung in St. Maguerite näher. Da lohnte sich wirklich mal ein Blick zurück zu werfen, um die schon bewältigte Entfernung einzufangen.

Etwas müde aber weiterhin motiviert wanderten wir auch die letzte Stunde noch ohne Pause und erreichten schließlich gegen 18:30 Uhr den Zielort, St. Maguerite.

Nicht ganz 44 Kilometer- wie uns in Perl mitgeteilt wurde – aber trotzdem mit 41 Kilometer weitaus mehr als unsere zu Hause geplanten 36 hatten wir heute hinter uns gelassen. In 7 Stunden und 45 Minuten reiner Wanderzeit gelang uns die Ankunft noch bei tiefstehender Sonne. Mit Rheinland-Pfalz über das Saarland bis nach Frankreich hatten wir an diesem Tag mehr als genug erreicht.

Dritter Tag

Noch nicht ganz erholt vom vorigen Tag traten wir unsere nächste Etappe auf der Wanderung Trier-Metz über geplante circa 21 Kilometer an. Nach einem ausgiebigen Frühstück und einer netten Unterhaltung mit unserer Gastgeberin ging es um 10 Uhr weiter.

Rückblick auf St. Maguerite

Wieder einmal hatte der Wettergott ein glückliches Händchen und bescherte uns herrlichen Sonnenschein. 

Gleich darauf ging es wieder ab in den Wald, wo wir auf die von den Franzosen im zweiten Weltkrieg errichtete Maginot Linie stießen. Nicht nur die Spitze von Schießbunkern begegneten uns, sondern auch ganze Schießbunkeranlagen mit Luftabzug etc. Obwohl wir vorhatten uns die Bunker genauer anzusehen, wurde uns dies verwehrt. Ein geschätzt vier Meter tiefer und zwei Meter breiter Graben direkt um den Bunker herum machte einen Zutritt unmöglich. Somit blieb uns nichts anderes übrig als unseren Weg durch den Wald fortzusetzen.

  • kleiner Schießbunker

Da unser gedrucktes Kartenmaterial nicht ganz mit den Wegweisern des Jakobwegs übereinstimmte, nahmen wir zunächst einen Parallelweg zur geplanten Strecke. Dieser führte uns quer durch dichten Wald mit schwindendem Weg. Deshalb entschieden wir uns quer-„wald“ durch dichtes Gestrüpp zu schlagen und erreichten schließlich im Schneckentempo den geplanten Weg. 

Eine verdiente Pause

Um 12:30 Uhr erreichten wir schließlich den nächsten Ort Kédange-sur-Canner. Da unser Proviant aufgebraucht war, suchten wir erst einmal eine Einkaufsmöglichkeit – Samstags um die Mittagszeit… Wieder einmal war das Glück auf unserer Seite, denn ein Dönerladen auf unserer Route bot uns die passende Essgelegenheit an.

Nach gut einer halben Stunde mit reichlich Kalorien gestärkt nahmen wir unsere Wanderstöcke in die Hand und pilgerten Richtung Ziel. Noch immer leicht erschöpft von den 40 Kilometern am Vortag reduzierten wir unsere Geschwindigkeit etwas, denn unsere geplanten 21 Kilometer ließen diesen Spielraum zu.

Durch das hervorragende Wetter genossen wir besten Blick auf die umliegenden Ortschaften. 

Gegen 14:45 Uhr erreichten wir den nächsten „größeren“ Ort, Aboncourt. Da unsere Kräfte trotz der vollwertigen Mittagsmahlzeit etwas aufgebraucht waren, entschieden wir uns dazu unsere zweite Tagespause am Straßenrand, im Schatten eines hoch gewachsenen Baumes einzulegen. Wie unsere Aufzeichnung anzeigte war unsere Durchschnittsgeschwindigkeit deutlich unter der vom Vortag.

Mit ungefähr 13min/km benötigten wir 1:20min/km länger, zum einen der Ermüdung geschuldet, zum anderen aber auch unserer Ruhe und Gelassenheit, die wir nach dem gestrigen Tag mit uns brachten. Wir hatten auf dem Weg nach Saint-Hubert schlichtweg keinen Grund, schneller zu wandern, schonten uns und sparten gleichzeitig die Kräfte für den nächsten Tag auf.

Um 15:53 Uhr erlangten wir den ersten Blick auf unser drittes Etappenziel auf dem Weg Trier-Metz. Nach schließlich 22 Kilometern und trotz unseres gemütlichen Tempos überpünktlich erreichten wir Saint-Hubert. 

  • Weg nach Saint-Hubert

 

Vierter Tag

Der letzte Tag auf unserer Reise Trier-Metz sollte uns geradewegs über immer größer werdende Ortschaften an die Mosel bei Metz führen. Zunächst dachten wir, dass der zweite Tag uns schon jene Eindrücke geliefert hatte, die man sich nur vorstellen konnte, so war es jedoch nicht. Denn auch am letzten Tag warteten einige Überraschungen auf uns.

Um 9:12 Uhr traten wir ausgeschlafen unsere letzte Etappe an. An diesem Tag war es uns nicht möglich, das Tempo zu reduzieren, da wir uns um genau 15 Uhr mit meiner Mutter und ihrer Freundin in Metz treffen wollten. Also hieß es: Genau planen und ranhalten an den Zeitplan!

Kaum waren wir auf unserer Route Trier-Metz losgewandert, verfolgten wir nach der Beschilderung parallel zur Hauptstraße einen Seitenweg im Wald. Später stellte sich jedoch heraus, dass wir die Straße sowieso wieder überqueren mussten. Diese Tortour über Stock und Stein hätten wir uns ersparen können. Kaum aus der Ortschaft draußen, wanderten wir an einer kleinen Kirche, oder eher großen Kapelle vorbei.

Nach nur einer halben Stunde waren wir bereits wieder im dichten Wald unterwegs. Dieser präsentierte sich von einer ganz anderen Seite als die letzten drei Tage. Moosbüschel rundum kleiner aus den Boden ragenden Äste durchdrangen den Wald und kamen durch den Nebel zum hervorscheinen. Und so befanden wir uns nach so kurzer Zeit in einer doch so fremden Welt. Der Nebel klarte allmählich auf, doch der Waldweg wurde immer unwegsamer. Schließlich begannen wir an unserer ausgearbeiteten Route zu zweifeln, denn die Äste der Laubhölzer ragten weit in schwach angedeuteten Weg hinein. Die Kraft der Natur bewundernd, aber auch verwundert über den raren Verkehr auf diesem doch so bekannten Weg schlugen wir uns durch das dichte Gewächs.

Zurück in der Zivilisation

Um 10:27 Uhr dann unser erstes Etappenziel auf dem heutigen Weg, Vigy. Wir verspürten erstmals nach unserer Durchquerung von Perl wieder Personen um uns herum. Obwohl es Sonntag war lebte diese vergleichsweise große Ortschaft. Nichts desto trotz legten wir keine Rast ein, überquerten die stillgelegten Bahngleise und verließen Vigy.

  • Ortsschild Vigy

In Sanry-lès-Vigy begegnete uns gegen 11:30 Uhr, für den Jakobsweg typisch, eine weitere schöne Kirche. Auch dieses Ort durchquerten wir und machten erst auf halber Tagesstrecke unsere erste Rast, nachdem wir den schon kahlen Laubwald hinter Sanry-lès-Vigy verlassen hatten.

Gegen 12:50 Uhr überquerten wir dann die A4. Ein weiterer großer Schritt in Richtung Ziel, denn die Autobahn führt nach Metz. 

Nun wussten wir, es war nicht mehr weit bis zu unserem Ziel. Um 13:10 Uhr wanderten wir durch Vany und Villers l’Orme, die letzten beiden „freistehenden“ Ortschaften, bis die Häuser der an Metz angrenzenden Orte fließend in die Großstadt übergehen. Eine Stunde später erreichten wir einen Park in Metz. Wir waren angekommen, doch unser Ziel war die Kathedrale von Metz, an der wir uns mit Mutter und Freundin treffen wollten. Also ging es für uns noch ein gutes Stück an der Mosel entlang, bis wir diese überquerten und endlich die Kathedrale von Metz erreichten. Fast pünktlich um 15:04 Uhr kamen wir in unserer Gruppe zusammen und setzten uns, die Sonnenstrahlen auf der Haut genießend, in den Außenbereich eines Cafés. 

  • Die Mosel, mitten durch Metz

Fazit

Was für eine Wanderung. Trier-Metz mit circa 120 Kilometer in vier Tagen, mit 9 Kilogramm Gepäck auf dem Rücken waren wir nun besser denn je auf die Fortsetzung unserer Wanderung nach Santiago de Compostela gerüstet. Trotz all den unerwarteten Momenten, dem anstrengenden zweiten Tag und den wesentlich längeren Strecken, als wir sie eingeschätzt hatten verlief die Wanderung ohne Probleme, unserer gute Streckenausarbeitung und umfangreichen Planung sei dank.

Als nächstes steht nun eine ein- oder zweiwöchige Wanderung auf dem Plan, vielleicht bis nach Vézelay hinein. Dann jedoch mit Zelt und weiterer Ausrüstung zum spontanen Übernachten, denn Buchungen für 14 Tage im Voraus zu tätigen würde wohl ein zu hohes Risiko darstellen. Wir müssen uns im Klaren sein, dass die nächsten Wanderungen nicht weiterhin so problemlos verlaufen werden, denn nicht immer können wir mit Wetter und co. Glück haben. 

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