Metz/Noveant-sur-Moselle (Jakobsweg)

Nachdem ich mein Abitur erfolgreich bestanden hatte, war uns klar, dass wir einen weiteren Abschnitt des Jakobwegs wandern werden. Diesmal aber anders: Länger, weiter, anstrengender und autark. Wir haben uns einfach drauf eingelassen, nichts vorgebucht, sondern lediglich die Übernachtungsmöglichkeiten, die sich uns anboten, im Vorfeld heraus geschrieben. Nun, um ehrlich zu sein, waren das auch nicht viele. Bei einer Bevölkerungsdichte, die nur halb so hoch ist wie in den abgelegensten Orten Mecklenburg-Vorpommerns, ist es schon etwas besonderes überhaupt auf Menschen zu treffen. Und dann auch noch eine Herberge oder andere Unterkunft – ein oftmals nicht wahr gewordener Traum. Schließlich haben wir uns auf alles vorbereitet und sind diesmal mit Zelt, Isomatte, Schlafsack und Minigrill losgezogen. Da die Wanderung über 240 Kilometer in acht Wandertagen ging, werden wir unseren Bericht in sinnvolle Abschnitte aufteilen. Im ersten Abschnitt geht es um unseren ersten, ereignisreichen Tag. Die Strecke Metz/Novéant-sur-Moselle sollte uns gleich am ersten Tag an unser Belastungslimit bringen.

Teilstrecke Metz/Noveant-sur-Moselle

  • Streckenlänge: ohne verlaufen 30km (unsere Aufzeichnung 36km)
  • Wo: meist an der Mosel, beginnend bei Metz
  • Wie lange: ein Tag
  • Schwierigkeitsgrad: mittelschwer
  • Unterkünfte: Direkt an der Strecke und näherer Umgebung teils sehr rar. In der Nähe größerer Ortschaften durchaus gut, jedoch sind Übernachtungen im Zelt nahezu unvermeidbar

Das Ziel Metz/Novéant-sur-Moselle

Am 5.6.2019 starteten wir am Wiesbadener Hauptbahnhof Richtung Mainz Hbf, und das in aller Frühe um 6:38 Uhr. Von Mainz ab über Saarbrücken, umsteigen und in einem kleinen Zug nach Metz. Der Zug füllt sich und wir fiebern dem Verlassen des Zuges schon entgegen. Endlich angekommen, rein mit Dieselkraft, denn Oberleitungen waren auf dieser Strecke noch nicht installiert. Um kurz nach 11 Uhr ließen wir uns noch einen Stempel an der Kathedrale (Metz) in unseren Pilgerpass drucken und dann sollte es auch schon losgehen, denn schließlich hatten wir noch eine ordentliche Etappe vor uns.

Bei überwiegend sonnigem Wetter an diesem Vormittag starteten wir nun unsere Wanderung und unseren ersten Abschnitt Metz/Noveant-sur-Moselle um genau 11:10 Uhr. Viele Kilometer lagen vor uns und wenn wir nur im entferntesten hätten ahnen können, was uns direkt am ersten Tag widerfährt, hätten wir uns bestimmt zweimal überlegt, eine solche Distanz am Anreisetag einzuplanen.

Recht zügig kamen wir am Stadion von Metz vorbei. Kaum hatten wir die Mosel erreicht, wurde es extrem heiß. Die Sonne brannte und wir mussten zusehen, dass wir im schützenden Schatten der kräftigen Bäume wanderten. Zeitnah überquerten wir ein weiteres mal die Mosel und verließen allmählich die Vororte der schönen Stadt Metz. Nun mussten wir – wie hätte man gedacht – unsere ersten auf der Strecke Metz/Noveant-sur-Moselle Höhenmeter überwinden. Belohnt wurden wir mit einem schönen Ausblick über die Region, der nicht zuletzt wegen des klaren Wetters auch auf unseren Bildern zur Geltung kommt. Kurz darauf legten wir gegen 12:43 Uhr unsere erste Rast ein. Geschwitzt durch die prallende Hitze suchten wir den Schatten direkt an der Stecke neben einem Kinderspielplatz auf.

Hitze, Hitze, Hitze,…

Keine 20 Minuten später ging es wieder weiter Richtung Ars-sur-Moselle. Es entgegnete uns ein kurzer schwerer Anstieg in Sainte-Ruffine, bis wir dann gelassener wieder bergab wandern konnten. So komisch es klingen mag, aber die Abstiege sind meist unangenehmer als ein leichter Aufstieg. Zu stark sind die Belastungen auf die Kniegelenke, wenn man versucht, zügig mit schwerem Gepäck bergab zu laufen.

Angekommen an einem lichten Waldstück hinter Jussy ging es für uns erneut sehr stark bergauf. Aufgrund der immense Hitze, machte uns dies sehr zu Schaffen. Enttäuscht über die schlechte Beschilderung auf diesem Abschnitt des Jakobwegs, folgten wir der rot-weißen Markierung. Diese entspricht offensichtlich der von uns ausgearbeiteten Strecke (Metz/Noveant-sur-Moselle) . Es dauerte nicht lange und wir erreichten Ars-sur-Moselle. Eine leichte Brise Wind ließ uns die 34°C erträglich erscheinen. Zeit für eine weitere Rast – 14:25 Uhr – in der wir uns ein kühles Getränk aus einem Kiosk gönnten. 20 Minuten später verließen wir schließlich die Ortschaft und wanderten wieder einen kleinen Abschnitt direkt an der Mosel. Auf diesem Wege kamen wir am Aqueduc Romain vorbei. Eigentlich heißt der Begriff aqueduc „kühles Wasser“ – das wäre jetzt gut. Stattdessen fahren jedoch nur stinkende Diesel und Benziner an uns vorbei.

Über Ancy-sur Moselle führte uns der Weg nach Gorze. Allmählich sammelten sich einige Wolken am Himmel und wir hofften, baldmöglichst unser Ziel zu erreichen. Diese Hoffnung sollte jedoch nicht erfüllt werden. Nachdem wir die letzte Ortschaft vor Gorze verlassen hatten, bot uns auf einer Anhöhe ein schöner Blick über die Region. Anstatt den Weg über die D6B zu nehmen, liefen wir seitlich der Hauptstraße im Wald. Über die Rue Raymond Rondon erreichten wir schließlich Gorze. Zu unserer Überraschung bekamen wir zu Abwechslung eine Jakobsmuschel zu Augen.

Vom Weg abgekommen

In Richtung Wald verließen wir das kleine Örtchen wieder und liefen eine knappe halbe Stunde in den tiefen Wald hinein. Mittlerweile war es schon nach 18 Uhr. Wie wir mit Bedauern feststellen mussten, verliefen wir uns immer mehr im undurchsichtigen Wald. Schon bald verloren wir die Orientierung, die Wege wurden ungenauer und passten nicht mehr zu unseren Aufzeichnungen. Auch das GPS funktionierte zu unserem Nachteil überhaupt nicht. Mit nur noch wenig Wasser, keiner Orientierung und schlechter werdendem Wetter waren wir der Natur vollkommen ausgesetzt. Und da war noch ein Problem – wir hatten zwar Unterkünfte herausgeschrieben, aber nichts fest gebucht.

Schließlich blieb uns nichts weiter übrig, als den gesamten Weg bis nach Gorze zurückzulaufen. Und auch das war nicht einfach, denn wir hatten viele Abbiegungen im Wald genommen und erst jetzt wurde uns klar, wie wichtig es ist, sich den Weg immer genauestens einzuprägen. Über mehrere Umwege fanden wir wieder zurück. Jetzt blieb uns nur noch der Weg über die Landstraße. Nicht sehr begeistert von diesem Umständen wanderten wir die Landstraße entlang. Langsam zog sich der Himmel zusammen und es begann zu regnen. In Naher Ferne konnten wir Blitze sehen, welche immer näher zu uns kamen. Mit müden Beinen quälten wir uns im Abendlicht in Richtung der nächsten Ortschaft – Novéant-sur-Moselle.

Blitz, Donner, Regen, Sturm

Kurz bevor wir ankamen, begann das Wetter über uns zu richten. Alle Versuche, eine Unterkunft zu finden, scheiterten wegen Platzmangel. Auf Suche nach einer geeigneten Zeltmöglichkeit, sahen wir einen Mann in seinem Hof den Grill abbauen. Wir fragten ihn, ob er uns die Wasserflaschen mit Leitungswasser befüllen könne. Wider Erwarten lud er uns mit einer Selbstverständlichkeit ein, die wir noch nie erlebt hatten. Seine Frau bot uns etwas zu Essen an und erzählte uns von seinen Eltern, die ganz in der Nähe wohnen und des öfteren Pilger aufnehmen. Das war unsere Rettung. Nach dem Essen wurden wir sogar noch zu der angebotenen Übernachtung in Pagny-sur-Moselle gefahren. Wandern hätten wir nicht mehr können, denn es schüttete und blitze wie im Weltuntergangsszenario.

Gleich der erste Tag (Metz/Noveant-sur-Moselle) lehrte uns, was Wandern bedeuten kann. Und so nahm der Tag, dank dieser unfassbar netten Gastfreundlichkeit noch eine gute Wendung. Wir bekamen ein Feierabendbier, gutes Essen und eine warme Dusche.

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